TTC kann nächste Saison planen

Auch DTTB bricht die laufende Saison wegen der Corona-Auswirkungen ab

Udra SMBerlin/Lampertheim. Jetzt hat auch das erste Herrenteam des TTC Lampertheim Gewissheit: Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die Saison 2020/21 von der 2. Bundesliga bis zur fünftklassigen Oberliga abgebrochen. Die Runde wird annulliert, es wird keine sportlichen Auf- oder Absteiger geben.

„Das Präsidium hat sich diese Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht, aber sie ist aus unserer Sicht unumgänglich gewesen“, wird Heike Ahlert, die für den Leistungssport zuständige DTTB-Vizepräsidentin, in einer ausführlichen Mitteilung zitiert: „Wir hatten bis zuletzt gehofft, dass wir die im November beschlossene Einfachrunde zu Ende spielen können, und sei es ggf. mit Blockspieltagen. Es sind eine Reihe von Gründen, die uns zum Abbruch bewogen haben.“

Der Beschluss, die seit dem Teil-Lockdown im Herbst unterbrochenen Runde in den sogenannten Bundesspielklassen abzubrechen, erfolgte am Montagabend nach einem Austausch des DTTB-Präsidiums und der DTTB-Fachgremien mit den Mitgliedsverbänden. Die zeitnahe Fortsetzung des Mannschaftsspielbetriebs in diesen Ligen hält der Tischtennis-Bund demnach „für nicht möglich“. Fünf Punkte führte der DTTB als ausschlaggebend an: die Sorge um „Gesundheit der Aktiven und Offiziellen“, das „unklare weitere Vorgehen im Bundesgebiet“, die „Verfügbarkeit der Hallen“, die „Chancengleichheit“ in Bezug auf die Trainingsmöglichkeiten und die „Planungssicherheit für die neue Saison“.

Bis jetzt gebe es von den Regierungen der Länder etwa auch keine Stufenpläne, ab wann Lockerungen für den Hallensport möglich seien, teilt der DTTB weiter mit. Bei der Tischtennis-Bundesliga der Männer (TTBL) und der 1. Damen-Bundesliga geht der DTTB „nach derzeitigem Stand“ davon aus, dass die Saison „plangemäß zu Ende geführt werden“ könne. Die beiden Profiligen hatten den Spielbetrieb während des Lockdowns fortgesetzt. Der Hessische Tischtennis-Verband, der alle Amateurklassen von der Hessenliga abwärts verwaltet, hatte die 20/21er Spielzeit in der vergangenen Woche abgesagt.

Beim TTC Lampertheim, der seit 2016 in der 3. Herren-Bundesliga Nord antritt, ist die Erleichterung über die Annullierung der Runde groß. Die Südhessen, die über keine eigene Halle verfügen, wären darauf angewiesen gewesen, dass der Kreis und die Stadt die Sedanhalle schnellstmöglich freigegeben hätten (wir haben berichtet). „Mit der Entscheidung können wir zu 100 Prozent einverstanden sein, für die große Masse der Vereine war das aber auch die einzig logische Entscheidung“, erklärt Lampertheims Vorsitzender Uwe van gen Hassend: „Jetzt wissen wir, woran wir sind. Das ist nicht zuletzt für die Gespräch mit unseren Sponsoren wichtig.“

Der 59-Jährige informierte sogleich seine Spieler, die in ihren Heimatländern weilen. „Sie waren alle traurig und hätten gerne weitergespielt. Sie waren davon ausgegangen, dass es ab Ende März bis Mai weitergegangen wäre und hatten sich fit gehalten“, berichtet van gen Hassend.

Bei den Personalplanungen für die Drittliga-Saison 2021/22 sei der TTC schon „weit“, erklärt van gen Hassend. Mit einer Neuverpflichtung sei sich der Verein so gut wie einig, sagt der TTC-Boss: „Es wird mit Sicherheit eine Veränderung geben. Grundsätzlich hatten aber alle Spieler signalisiert, dass sie bleiben wollten.“ Namen nennt van gen Hassend nicht. Am grundsätzlichen Problem, dass deutsche Spieler „nicht zu bekommen“ seien (van gen Hassend), habe sich derweil nichts geändert.

Sorgen um die Basis

Den Vierer-Kader für die Spielzeit 2020/21 hatte der TTC noch vor dem Ausbruch der Pandemie zusammengestellt. Mit Medardas Stankevicius, Alfredas Udra und Tomas Mikutis kommen gleich drei Spieler aus Litauen, Dmitry Zakharov kommt aus Russland. Vor dem einzigen Punktspiel, das die TTC-Herren absolvierten (3:5 gegen Aufsteiger Borsum), saßen alle vier Spieler in ihren Heimatländern fest. Erst zwei Tage vor dem Match gab es Lockerungen für Litauen, sodass Udra und Mikutis kurzfristig doch anreisen konnten. „Dieses Risiko bleibt“, ist sich van gen Hassend sicher. Seine Sorge gilt jetzt der Basis. „Wenn es im März oder April nicht möglich sein sollte zu trainieren, sehe ich eine große Gefahr, viele Jugendliche zu verlieren. Auch Spieler, die zu den Risikogruppen gehören, werden sich Gedanken machen“, meint der 59-Jährige.

© Südhessen Morgen, Freitag, 19.02.2021