Der TTC schlägt auf

3. Liga: DTTB setzt Spielbetrieb nicht aus. Lampertheim empfängt am Sonntag die Füchse Berlin

Uwe van gen Hassend, der Vorsitzende des TTC Lampertheim, ist ziemlich baff. Nachdem zuletzt viele Landesverbände - darunter der Hessische Tischtennis-Verband - den Spielbetrieb ausgesetzt hatten, rechnete der 60-Jährige fest damit, dass auch die 3. Tischtennis-Bundesliga Nord pausieren würde. Nur: Die Absage kam nicht. „Es wird gespielt“, sagt van gen Hassend: „Der Deutsche Tischtennis-Bund will die Runde wohl unbedingt zu Ende bringen und die Vorrunde abschließen. Dann sind 50 Prozent der Saison gespielt und die Runde kann mit Auf- und Absteigern gewertet werden.“

Damit startet das erste TTC-Herrenteam am Sonntag (14.15 Uhr) regulär in die Rückserie. Gegner sind die Füchse Berlin. Die Reinickendorfer bestritten am Samstag ihr erstes Rückrundenmatch. Mit 2:6 verlor der Tabellensiebte (6:12 Punkte) zu Hause gegen Primus Union Velbert. In der Lampertheimer Sedanhalle absolvieren die Füchse ihre dritte Partie des Jahres. Einen Tag vorher gastieren die Hauptstädter beim Vorletzten VfR Fehlheim.

Die Begeisterung ist beim TTC nicht gerade groß. „Wir haben mit Fehlheim einen Antrag gestellt, den Spieltag zu verlegen. Leider hat Berlin dem neuen Termin nicht zugestimmt“, meint van gen Hassend. Laut DTTB-Statuten sind Spiele nur verlegbar, wenn beide Vereine zustimmen. „Wir hätten am liebsten im Januar gar nicht gespielt und das Spiel in den April verschoben“, präzisiert der TTC-Boss: „Ich persönlich hätte den Spielbetrieb bis Mitte oder Ende Februar ruhen lassen - auch in der Bundesliga.“

M Helmy 02bDer Ägypter Mahmoud Helmy wird gegen die Füchse Berlin zum Schläger greifen

Auch die TTC-Mannschaft - Alfredas Udra und Tomas Mikutis reisen aus Litauen an, Mahmoud Helmy aus Ägypten, Vladimir Anca wohnt in Kronau - sei „fest davon ausgegangen, dass nicht gespielt würde, wenn überall sonst im Lande alles abgesagt wird“, räumt van gen Hassend ein: „Ein gewisser Trainingsrückstand wird da sein. Das Spiel ist deshalb völlig offen, zumal Berlin diesmal mit Sebastian Borchardt und damit in Bestbesetzung antreten wird. Wenn wir die zwei Punkte mit einem 6:4 bei uns behalten, wäre ich hochzufrieden.“ Das Hinspiel im November entschied der Tabellendritte (13:5 Punkte) mit 6:4 für sich.

Dem Sport nicht dienlich“

Kurios und zugleich erfreulich ist für van gen Hassend, dass der TTC am Sonntag bis zu 85 Zuschauer in der Sedanhalle unter 2G-Bestimmungen empfangen kann. „Wenn wieder 70 Zuschauer kämen, wäre das ein Traum“, findet Lampertheims Vorsitzender, der sich dank des bewährten Hygienekonzepts wenig Sorgen macht. Anders als noch in der Hinrunde herrscht jetzt auch am Sitzplatz Maskenpflicht. Verständnis für den DTTB hat van gen Hassend, der auch Ressortbeauftragter der 3. Liga Nord ist, trotzdem nur begrenzt. „Viele Zuschauer haben gar nicht auf dem Schirm, dass wir spielen. Das Final Four fand zuletzt ohne Zuschauer statt.

Die Rückmeldung ist bis jetzt sehr verhalten. Eine gewisse Lustlosigkeit ist da - das ist das Schlimmste“, stimmt der Vereinschef nachdenkliche Töne an: „Wenn die Erste Liga ohne Zuschauer spielt, ist mir das egal. Für alle anderen muss es eine bundesweite Lösung geben. Wenn wir in der 3. Liga keine Zuschauer mehr hätten, würde ich das nicht mehr machen. Für wen denn?“ Dass in der Bundesliga ausländische Top-Leute ein- und ausgeflogen werden, während der Spielbetrieb von Hessen- bis Kreisebene grundsätzlich bis 13. Februar unterbrochen ist, sieht van gen Hassend ebenfalls kritisch! „Das alles ist dem Sport nicht dienlich.“

Beim TTC-Trainingsauftakt am Montag sei die Resonanz „sehr gut“ gewesen, so van gen Hassend. Er stellt aber fest: „Manche kommen nur ins Training, wenn Punktspiele in Sicht sind. Andere verlieren vielleicht ganz die Lust. Bei den Verantwortlichen, die mit den Eltern in Kontakt stehen, herrscht Unsicherheit. In der Jugend fehlt schon ein ganzer Jahrgang. Das Miteinander leidet sowieso.“ Einen nochmaligen Saisonabbruch hatte der TTC-Vorsitzende im Dezember „als Katastrophe für unseren Sport“ bezeichnet. Die Möglichkeit, Spiele zu bestreiten, wird der TTC auf HTTV-Ebene dennoch nicht wahrnehmen. „Wir werden trainieren, aber keine Punktspiele austragen”, gibt van gen Hassend die Entscheidung der Teams bekannt. Er hält es für möglich und sinnvoll, den Vereinen bis Ende Februar zwei Wochen Vorbereitung einzuräumen. „Dann könnten wir Anfang März starten. Man könnte auch Doppelspieltage einlegen. Am 7. Februar muss aber klar sein, was Sache ist“, fordert van gen Hassend.

Quelle: Südhessen Morgen