TTC tanzt auf den Tischen

Lampertheim hofft nach 6:0 gegen Borsum noch auf die Vizemeisterschaft / Trennung von Vladimir Anca

Stephan Kaiser platzierte seinen Matchball - und dann gab es kein Halten mehr in der Sedanhalle. Völlig euphorisch wurde der 31-jährige Hofheimer von den heimischen Fans gefeiert, nachdem er überraschend Marius Hagemann in vier Sätzen abgefertigt hatte. Später, als Istvan Molnar am Nebentisch den 6:0-Heimsieg gegen den TTS Borsum besiegelte, sprang der Ersatzmann des TTC Lampertheim auf den Tisch und genoss einfach die „Stephan Kaiser“-Jubelchöre.

Wohlgemerkt: Kaiser, der beste Einzelspieler der abgebrochenen Verbandsliga-Saison, ist seit Wochen nur noch gelegentlich im Tischtennis-Training. Am Sonntag war er in der 3. Tischtennis-Bundesliga Nord gleich an zwei Punktgewinnen beteiligt. „Mehr als ein 6:0 geht nicht“, freute sich TTC-Vorsitzender Uwe van gen Hassend, der noch Stunden nach dem Match sein eigenes Wort kaum verstehen konnte: „Alle hier sind so gut gelaunt, das ist unfassbar. Die Stimmung war sensationell. 70 Zuschauer waren da - und das, obwohl es eigentlich um nichts mehr ging.“

Dabei hatte die TTC-Woche mit einem Knall begonnen. „Wir haben uns von Vladimir Anca getrennt“, berichtete van gen Hassend. Zu den Gründen wollte sich der 60-Jährige nicht im Detail äußern. „Er hat seine Spiele gewonnen und immer gekämpft, das war okay. Aber menschlich hat es nicht gepasst“, sprach der Vereinschef von „unterschiedlichen Vorstellungen“. Spätestens, nach dem 6:3 in Kassel vor zwei Wochen war die Trennung programmiert.

"Ein guter Typ"

Da Mahmoud Helmy in Ägypten für seine Abschlussprüfungen büffelt, standen Lampertheim mit Alfredas Udra, Tomas Mikutis und Istvan Molnar nur drei Stammkräfte zur Verfügung. Mit Kaiser auf Position vier war der TTC jedoch guter Dinge, schließlich sammelte er einst beim TV Leiselheim Drittliga- und Regionalliga- Erfahrung. „Er hat ein wahnsinnig gutes Gefühl und ist ein guter Typ“, betonte van gen Hassend.

21 22 Stefan Kaiser SMErsatzmann Stephan Kaiser machte mit seinem Einzelsieg den Mannschaftserfolg des TTC Lampertheim perfekt.

Den Grundstein für das 6:0 legten auch die TTC-Fans. Beim Einlauf der Teams ging es laut zu. „Die waren geschockt“, hielt van gen Hassend zu den Gegnern fest. Im Doppelauftakt machten die Lampertheimer jedenfalls kurzen Prozess. Udra/Molnar (11:4, 11:4, 11:7 gegen Patrick Decker/ Marius Hagemann) und Mikutis/ Kaiser (13:11, 11:3, 14:12 gegen Dominik Jonack/Conny Schmidt) sorgten für eine 2:0-Führung.

Nach dem Drei-Satz-Sieg von Spielertrainer Udra gegen TTS-Talent Jonack hielt Mikutis Borsums Spitzenspieler Decker über vier Sätzein Schach - 4:0. „Damit war das Spiel eigentlich durch“, meinte van gen Hassend, der sich über die schwachen Leistungen der Gäste wunderte. „Borsum kenne ich als sehr kampfstarke Mannschaft. Das ist diesmal ausgeblieben“, sah der TTC-Vorsitzende einen „Klassenunterschied“. Eine Erklärung hatte er nicht: „Einen Tag vorher hat Borsum 6:2 in Fehlheim gewonnen. Das war für sie wohl wichtiger.“

Dass der TTC wie entfesselt spielte, war sicher noch ein Grund dafür, dass die Stärken des Tabellensechsten (10:14 Punkte) nicht zur Geltung kamen. „Mental waren wir unfassbar stark. Die Einstellung war super“, lobte van gen Hassend. Das spannendste Match lieferte sich Molnar im hinteren Paarkreuz mit Schmidt. Der Ungar in TTC-Diensten verspielte eine 2:0-Führung nach Sätzen, machte aber mit einem 11:3 im fünften Durchgang alles klar.

Mit 22:8 Punkten steht der TTC auf Platz zwei. Der SC Buschhausen (19:5), der lange wie der sichere Zweite aussah, verlor am Wochenende mit 4:6 beim Vorletzten Kassel. Am 19. März (16 Uhr) fahren Lampertheims Herren zum direkten Duell nach Oberhausen. Einen Tag später kommt der designierte Meister Union Velbert (27:1 Punkte) ins Ried. „Vielleicht geht noch was in Sachen zweiter Platz“, hofft van gen Hassend. Rang drei dürfte dem TTC bei normalem Verlauf seiner drei verbliebenen Partien sicher sein. Der Vierte Schwarzenbek (16:12) müsste schon volle Ausbeute holen und 22 Spielpunkte gut machen – und Lampertheim alle Spiele verlieren.

Quelle: Südhessen Morgen