Wen-Che Lin Cheng trotzt dem Lampenfieber
Uwe van gen Hassend, der Vorsitzende des Tischtennis-Clubs (TTC) Lampertheim, hatte sichtlich Mitleid mit Wen-Che Lin Cheng. Der 17 Jahre alte Taiwanese, der gleich zweimal für Rogelio Castro im TTC-Spitzenpaarkreuz einsprang, hatte vor allem beim 6:2-Sieg beim TSV Schwarzenbek in der 3. Bundesliga Nord mit Lampenfieber zu kämpfen. „In seinem ersten Einzel war er wie gelähmt. Da ging gar nichts“, sagte van gen Hassend und zählte sogleich die Gründe dafür auf: „Andere Tische, ein anderes Spielsystem, Spiele vor Zuschauern: Das kannte er alles so noch nicht.“
Wen-Che Lin Cheng ließ in Borsum sein Können aufblitzen
Immerhin: Beim 6:2 über Schlusslicht Schwarzenbek und beim 6:0 beim Drittletzten TTS Borsum war die Aufregung von Wen-Che Lin Cheng kein Faktor – auch wenn der Europa-Debütant in Schwarzenbek beide Einzel verlor und damit als einziger TTC-Spieler am vergangenen Wochenende Punkte liegen ließ. Nach einem 0:3 gegen Moritz Spreckelsen lag Lin Cheng gegen TSV-Spitzenmann Frederik Spreckelsen mit 9:4 in Satz fünf vorn. Vier Kanten- und Netzbälle brachten den Ersatzmann für Leistungsträger Castro (Panamerika-Meisterschaften) dann aber aus dem Konzept. Am Ende stand ein 10:12.
„Unsere Gegner waren recht schwach“, konnte van gen Hassend angesichts der Vier-Punkte-Ausbeute der TTC-Herren in Norddeutschland indes gut mit Lin Chengs Nervosität leben: „Das war ein Klassenunterschied, zumal Schwarzenbek und Borsum ersatzgeschwächt waren.“ Umso größer war die Freude bei van gen Hassend, dass Lin Cheng in den Doppeln an der Seite von Marc Gutierrez erfolgreich war. In Borsum gewann er dann sogar sein Einzel gegen TTS-Routinier Patrick Decker in drei Sätzen. „Schon gegen Frederik Spreckelsen hat man seine Qualitäten gesehen“, attestierte der TTC-Boss dem Neuling „ein gutes Potenzial“ für die 3. Liga: „Würde er ein paar Spiele mehr für uns machen, würde er gut reinkommen.“
Der TTC Lampertheim will jetzt gegen Salzgitter nachlegen
Auch Gutierrez verdiente sich ein Sonderlob des TTC-Vorsitzenden. Lampertheims etatmäßiger Nummer-eins-Spieler, der diesmal auf Basis der QTTR-Wertung hinter Lin Cheng an Position zwei aufschlug, besiegte die Spreckelsen-Brüder in Schwarzenbek souverän in drei Sätzen. In der Nacht zwischen den beiden Spielen wachte der 23-Jährige mit Magenkrämpfen auf und musste sich übergeben. Tags darauf stand er trotzdem wieder an der Platte. Nach dem Drei-Satz-Erfolg im Doppel mit Lin Cheng fertigte Gutierrez Borsums polnischen Spitzenspieler Jakub Kosowski in vier Sätzen ab. „Das war stark. Ihm ging es wirklich nicht gut“, betonte van gen Hassend.
Mit dem Vier-Punkte-Coup im hohen Norden zog Primus Lampertheim auf 23:1 Zähler davon. Verfolger Union Velbert II (16:2) hätte am kommenden Wochenende in die Rückrunde starten sollen. Das Match bei Füchse Berlin wurde jedoch verlegt. Davon unberührt will der TTC am Sonntag (14.15 Uhr, Sedanhalle) gegen den Vorletzten Union Salzgitter nachlegen, bevor es in eine vierwöchige Spielpause geht. „Wir sind klarer Favorit“, unterstreicht van gen Hassend – und ist auch gespannt auf das Heim-Debüt von Wen-Che Lin Cheng.
Quelle: Südhessen Morgen

