TTC-Topspieler Rogelio Castro wechselt zu Union Velbert
Ein glatter 6:0-Heimsieg gegen die Füchse Berlin, mit 143 Zuschauern ein neuer Saisonrekord für die 3. Tischtennis-Bundesliga Nord – und trotzdem herrscht beim TTC Lampertheim seit Sonntagnachmittag Katerstimmung. Schweren Herzens teilte Vereinsvorsitzender Uwe van gen Hassend dem engsten Mitgliederkreis mit, dass das Rennen um die Meisterschaft und den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga wohl gelaufen ist.
Der Grund dafür könnte kaum bizarrer sein. Schon länger ist klar, dass Lampertheims Leistungsträger Rogelio Castro nach Saisonende zu einem Zweitligisten wechseln wird. Jetzt gibt der TTC bekannt: Castro zieht es zu Union Velbert. Velberts erste Mannschaft steht zwar als Zweitliga-Absteiger fest. Velbert II liefert sich aber noch ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem TTC um den Titel. Am 11. April kommt es in Velbert zum entscheidenden Top-Spiel. Dieses wird nun ohne Castro steigen.
„Er hat uns vor längerer Zeit informiert, dass er gegen Velbert nicht spielen kann, weil er vom 9. bis zum 15. April ein Turnier mit der mexikanischen Nationalmannschaft in Südamerika spielen muss“, sagt van gen Hassend. Castro sei als amtierender nationaler Ranglistensieger fest eingeplant, so der TTC-Chef. Auch Gespräche mit Castros Trainer und Mexikos Verband sowie eine letztmalige Aufforderung an Castro am Sonntag führten zu keiner Lösung.

Rogelio Castro wird vermutlich nicht mehr für Lampertheim auflaufen
Den TTC lässt der 21-Jährige damit im Stich – und das just im direkten Duell mit dem einzigen Aufstiegskonkurrenten, zu dem er bald wechseln wird. Das hinterlässt ein Geschmäckle. Zumal Velbert schon öfter in der laufenden Runde für Aufsehen mit Spielerverpflichtungen sorgte. Zur Winterpause verstärkten die Unioner ihre erste Mannschaft mit drei ausländischen Spielern, die in der Rückserie letztlich gar nicht an den Tischen standen. Die Idee dahinter, nach der die Spieler ein Zweitspielrecht in Deutschland erhalten, ist als Strohmann-Prinzip berüchtigt. Der Vorteil: Jene Spieler, die tatsächlich für die erste Mannschaft vorgesehen sind, können so auch in der „Zweiten“ gelistet werden und dort beliebig oft zum Einsatz kommen. Beim DTTB-Bundesrat kam dieses Schlupfloch am vergangenen Wochenende auf den Tisch. Eine Regelanpassung ist aber frühestens zur neuen Spielzeit möglich.
Velbert hat bereits Yoan Velichkov aus Altena abgeworben
Schon vor Castro hatte Velbert Yoan Velichkov zur neuen Saison vom Tabellendritten TTC Altena abgeworben. Das Top-Talent fehlte bei Altenas 0:6-Niederlage gegen Velbert II am vergangenen Sonntag. Dem Verlegungswunsch des TTC sei Union nicht nachgekommen, meint van gen Hassend und wittert eine Wettbewerbsverzerrung: „Die haben sich einfach die beiden besten Spieler der Liga gekauft.“
Der Zoff um Castro (van gen Hassend: „Mit ihm würden wir gegen Velbert II nicht verlieren und damit Meister werden“) wiegt nicht nur sportlich. Der große TTC-Fanbus für das Spitzenspiel wurde storniert. Gespräche mit potentiellen Neuzugängen werden zwangsläufig ins Stocken geraten. Und dass Castro noch einmal für den TTC zum Einsatz kommen kann, ist fraglich. Am 19. April kommt Eintracht Frankfurt zum Saisonabschluss ins Ried.
Quelle: Südhessen Morgen

